Zum Nachtrag vom 13.1.2017

Wie im Guide zum Vigor 130 bzw. EdgeRouter X schon angedeutet, bin ich von meiner bisherigen Vodafone/Kabel Deutschland-Verbindung zur Telekom mit VDSL 100 gewechselt.

Damit halbiert sich mein Downstream, da Vodafone hier 200 Mbit/s anbietet und VDSL mit Vectoring bekanntlich nur max. 100 Mbit/s hergibt. Als Trostpflaster gibt’s aber immerhin 15 Mbit/s mehr Upstream.

F├╝r Entscheidung war das aber alles zweitranging. In den letzten Monaten gab es immer mehr Probleme mit der Kabel-Verbindung, sei’s durch merkw├╝rdiges Verhalten der Fritzbox 6490, zunehmender Last im Kabelsegment oder mit Routing/Peering der Kabel-Infrastruktur.

Gerade letzteres habe ich eigentlich erst richtig gemerkt, als der Vergleich zur Telekom m├Âglich war.

Die Symptome:

  • Als der Anschluss auf 200 Mbit/s geschaltet wurde, waren stabile Downloadraten von 23 - 25 MB/s in Steam die Regel. Inzwischen sind sie nur noch die Ausnahme und nur au├čerhalb der Hauptlastzeiten m├Âglich. Gilt nicht nur f├╝r Steam, generell f├╝r alle Downloads.

  • Wenn Steam die Bandbreite nicht auslasten kann, ├Âffnet es zus├Ątzliche TCP-Verbindungen. K├Ânnen schon mal an die 50 - 70 St├╝ck sein. Ab dem Punkt steigt die Fritzbox langsam aus, weil sie mit NAT nicht mehr hinterher kommt. Ping-Zeiten steigen deutlich an, Surfen nebenbei macht keinen Spa├č mehr … der EdgeRouter X l├Ąchelt dank Hardware-NAT nur m├╝de.

  • Teils massive Probleme mit Ping-Zeiten und Packet Loss in Battlefield 1, manchmal v├Âllig unspielbar. Lag f├╝r mich immer an EA, bis ich ein paar Runden via VDSL gespielt habe …

  • Apple Music war richtig lahm, Streaming von Filmen aus dem iTunes Store war auf PC und Mac ein Graus bis unbrauchbar, Downloads im App Store waren mal pfeilschnell, dann wieder unglaublich langsam usw. – hatte ich alles auf Apple geschoben, aber wie schon bei Battlefield 1 lag’s an Vodafone. Gleiches gilt auch f├╝r teils extrem langsam Downloads aus dem PlayStattion Network.

  • Ich schaue gerne die Reviews von SF Debris, es war aber zunehmend schwer sich die Videos ├╝berhaupt anzusehen. Die Seite l├Ądt im Vodafone-Netz extrem lahm und die Videos brauchen gef├╝hlte Ewigkeit, bis mal ein bisschen matschiges 240p zu sehen ist. ├ťber die Telekom starten die Videos sofort – in HD.

  • Vermehrt Probleme mit YouTube, manchmal so schlimm, dass selbst Videos in SD nicht mehr fl├╝ssig liefen.

  • Starke Schwankungen bei den Ping-Zeiten, auch ohne Last.

Ein Vergleich:

Vodafone

~ ÔŁ»ÔŁ»ÔŁ» ping -c 100 google.de
PING google.de (172.217.21.195): 56 data bytes
64 bytes from 172.217.21.195: icmp_seq=0 ttl=53 time=21.271 ms
...
64 bytes from 172.217.21.195: icmp_seq=99 ttl=53 time=28.892 ms

--- google.de ping statistics ---
100 packets transmitted, 100 packets received, 0.0% packet loss
round-trip min/avg/max/stddev = 19.163/30.845/111.265/15.526 ms

Telekom

~ ÔŁ»ÔŁ»ÔŁ» ping -c 100 google.de
PING google.de (172.217.21.163): 56 data bytes
64 bytes from 172.217.21.163: icmp_seq=0 ttl=57 time=21.731 ms
...
64 bytes from 172.217.21.163: icmp_seq=99 ttl=57 time=21.594 ms

--- google.de ping statistics ---
100 packets transmitted, 100 packets received, 0.0% packet loss
round-trip min/avg/max/stddev = 21.482/21.760/22.146/0.156 ms

Mit IPv6 schaut’s f├╝r Vodafone sogar noch etwas schlechter aus.

Diese Ping-Messungen habe ich an einem fr├╝hen Nachmittag ausgef├╝hrt, also sollte sich die Last im Segmet bzw. Netz doch in Grenzen gehalten haben.

Meine Diagnose:

  1. Die Fritzbox 6490 mag f├╝r Normalnutzer okay sein, aber nicht f├╝r mich. Den Bridge-Modus l├Ąsst Vodafone leider durch Einschnitte in FritzOS nicht mehr zu und ein reines Kabelmodem f├╝r EURODOCSIS 3.0 zu finden ist ein Ding der Unm├Âglichkeit.

  2. Mein zust├Ąndiges Kabel-Segment wird zunehmend ├╝berlastet. Fr├╝her war ich hier der einzige weit und breit mit einer Internet-Verbindung ├╝ber Kabel. Da es zumindest bis Dezember 2016 auch keine Alternativen f├╝r anst├Ąndige Bandbreiten gab, geht in dem Segment nun zunehmend die Post ab.

  3. Das interne Routing von Vodafone geht z.T. ├╝ber sehr viele Hops, sowohl mit IPv4 als auch IPv6. Das ist grunds├Ątzlich nicht weiter schlimm, aber es erh├Âht die Anf├Ąlligkeit f├╝r Fehler und Packet Loss.

  4. Der vermutlich schwerwiegendste Punkt: das Peering in andere Netze ist z.T. eine Katastrophe. Alle og. Probleme mit den Servern von Apple, EA, Google/YouTube, Sony usw. liegen daran. ├ťber den Punkt kann ich nicht mehr hinwegsehen. Bandbreiten und Ping-Schwankungen sind eine Sache, aber wenn ich f├╝r mich wichtige Dienste nicht mehr richtig nutzen kann, ist der Ofen wirklich aus.

Kabel Deutschland bzw. jetzt Vodafone hatte ich fast acht Jahre ohne gr├Â├čere Probleme, aber da ich auch beruflich auf die Internetverbindung angewiesen bin, muss ich an der Stelle den Stecker ziehen.

Vodafone wird mit Sicherheit an den Problemen arbeiten – dauert halt. Eine Segment-Aufteilung kann sich ├╝ber mehrere Monate bis ein Jahr ziehen. Internes Routing l├Ąsst sich auch nicht von heute auf morgen verbessern, ebenso das Peering.

Man hat es hier mit den Angeboten f├╝r 200 Mbit/s bzw. in vielen Haushalten auch schon 400 Mbit/s wohl ├╝bertrieben ohne die Infrastruktur dahinter auszubauen.

Zumindest im Mobilfunk-Bereich hat Vodafone in den letzten Jahren einiges deutlich verbessert. Schaffen sie im Kabelnetz hoffentlich auch noch. Konkurrenz belebt das Gesch├Ąft.

Solange bin ich aber wieder Telekom-Kunde. VDSL mit Vectoring ist nur eine ├ťbergangsl├Âsung bis FTTH im gro├čen Stil kommt, aber bin nicht mehr auf ein Shared Medium wie Kabel angewiesen und ab dem MSAN h├Ąngt man im BNG, dem neuen, verdammt flotten Backbone-Netz der Telekom.

Au├čerdem kann ich meine Wunsch-Hardware nutzen, auch wenn es nicht viele Vectoring-taugliche DSL-Modems da drau├čen gibt.

F├╝r die meisten tut’s der ├╝bliche Speedport, der mir zumindest in seinem Verhalten unter Last besser gef├Ąllt als die Fritzbox. Der Vergleich hinkt nat├╝rlich etwas, da die Fritte deutlich mehr kann.

In Sachen WLAN sind sie beide ziemlich meh, besonders im Vergleich zu meinen fr├╝heren AirPorts oder jetzt UniFi Access Points – ist nat├╝rlich wieder unfair. Gibt weit teurere Consumer-Ger├Ąte, die viel schlimmer sind, siehe Ars Technica.

Nachtrag vom 13.1.2017:

Nach diesem Bericht von Golem ist mir dann auch klar, warum ich die Probleme mit Vodafone hatte. Traffic Shaping verz├Âgert oder verwirft Pakete einfach, je nach Konfiguration bzw. Last. Das erkl├Ąrt die schwankenden Ping-Zeiten, den Packet Loss in Spielen, die inkonsistenten Download-Raten usw.

Es ist zwar logisch, dass Vodafone QoS einsetzt, damit das Netz nicht komplett zum Teufel geht. Man kann aber nicht einfach den Backbone-Ausbau verschlafen oder gar sogar absichtlich verz├Âgern, w├Ąhrend man den Kabel-Kunden immer mehr Bandbreite anbietet und die DSL-Kunden ins Kabelnetz lockt bzw. mancherorts wohl sogar dr├Ąngt.