FĂŒr uns Entwickler ist die Tastatur ohne Zweifel das wichtigste Werkzeug. Ohne sie könnten wir keine Zeile Code schreiben und dennoch wird ihr selten Beachtung geschenkt. Sie ist da und funktioniert – bis man eine Tasse Kaffee darĂŒber schĂŒttet oder sie nach Jahren in KrĂŒmeln, anderen Essensresten bzw. Staub ersoffen ist.

Wenn sie kaputt ist, wird fĂŒr ein paar Euro eine neue gekauft und gut ist. Manchmal gibt man auch etwas mehr aus, z.B. fĂŒr ein Apple Keyboard oder ein besseres Modell von Logitech.

Dabei macht sich aber niemand Gedanken darĂŒber, wie sie eigentlich funktioniert und ob da nicht gerade fĂŒr uns Vieltipper Verbesserungspotenzial ist.

Die meisten Tastaturen haben eines gemeinsam: sie nutzen die sog. Rubberdome-Technik. Dabei wird beim Tastendruck eine Gumminoppe mit Kontaktpad nach unten auf die Platine gedrĂŒckt und so der Anschlag durch den Kontakt ausgelöst. Alle Noppen befinden sich auf einer Gummifolie, die einfach ĂŒber die Platine gelegt wird. Kabel ans PCB, Tasten drauf, GehĂ€use drumrum und fertig ist die Tastatur.

Das ist gĂŒnstig, aber auch gut? Leider nein. Es gibt zwar durchaus ganz gute Vertreter dieser Gattung, aber die Schwachstellen haben sie alle gemein:

  1. Um den Anschlag auszulösen, muss man die Taste vollstĂ€ndig durckdrĂŒcken.
  2. Der Anschlag ist nicht ĂŒber alle Tasten konsistent und verĂ€ndert sich mit der Zeit.
  3. Gerade bei den billigen Vertretern, mitunter aber auch bei den teuren ist das GehÀuse nicht verwindungssteif.
  4. Geringe Haltbarheit von max. 5 Millionen AnschlÀgen.

Die ersten drei Punkte fallen insbesondere fĂŒr Vieltipper deutlich stĂ€rker ins Gewicht, als man meinen möchte. VollstĂ€ndiges DurchdrĂŒcken der Tasten lĂ€sst die HĂ€nde bzw. Finger schnell ermĂŒden – gleiches gilt, wenn sich die Tastatur beim Tippen verwindet bzw. nach unten verbiegt. Da sich der Anschlag ungleichmĂ€ĂŸig ĂŒber die Zeit und je nach Nutzung der Tasten verĂ€ndert, kann sich kein MuskelgedĂ€chtnis bilden, um schneller tippen zu können.

Und jetzt?

Wie wĂ€r’s mit einer Alternative? Mechanische Tastaturen!

Huch? Sind die nicht sauteuer, laut und sperrig? So wie frĂŒher diese TotschlĂ€ger von IBM …

Hach ja, das IBM Model M. Wenn man wollte, könnte man damit wohl wirklich Einbrecher niederschlagen. Zur Selberverteidigung empfehle aber doch eher andere GerÀtschaften.

Ein billiges VergnĂŒgen sind mechanische Tastaturen wirklich nicht, aber sie sind es defintiv wert. Hier geht es schließlich um ein Werkzeug. Handwerker geben sich schließlich auch nicht mit einem Consumer-Akkuschrauber fĂŒr 20 Euro zufrieden. Warum also sollten wir das bei unseren alltĂ€glichen Helfern tun? Ob sie laut und groß sind, hĂ€ngt dagegen ganz vom jeweiligen Geschmack ab.

Aha, und warum können die Dinger das nun besser?

Um die Kritikpunkte von oben direkt aufzugreifen:

  1. Mechanische Schalter mĂŒssen nicht vollstĂ€ndig durchgedrĂŒckt werden, um einen Anschlag auszulösen – die HĂ€lfte genĂŒgt. Die verbreitetesten Schalter (Cherry MX) haben einen Hub von insgesamt 4 mm und lösen darum nach 2 mm aus.
  2. Der Anschlag verÀndert sich weder mit der Zeit noch nutzen sich verschiedene Tasten je nach Gebrauch unterschiedlich ab. So bildet sich mit der Zeit ein MuskelgedÀchtnis, das schnelleres und komfortableres Schreiben ermöglicht.
  3. Bei guten mechanischen Tastaturen sind die Schalter auf einer Stahlplatte angebracht, darunter befindet sich die Platine mit der sie verlötet sind. Da verwindet und verbiegt sich nichts.
  4. Mechanische Tastaturen halten Jahrzehnte durch. Die durchschnittliche Lebensdauer von Cherry-Schaltern liegt bei ca. 50 Mio. AnschlĂ€gen. Unzerstörbar sind sie aber natĂŒrlich nicht.

Je nach Schalter-Typ gibt es auch noch zusÀtzliche Vor- und Nachteile, so dass man sie ganz nach seinen PrÀferenzen aussuchen kann.

Schalter-Typen

Ich beschrÀnke mich hierbei auf die gÀngen Varianten von Cherry, da sie am hÀufigsten verbaut werden.

  • MX blue: löst mit einem Klick-GerĂ€usch aus und hat dazu beim Anschlag einen spĂŒrbaren Widerstand. BetĂ€tigungskraft: 60 cN
  • MX brown: löst ohne Klick aus, besitzt aber den gleichen spĂŒrbaren Widerstand beim Anschlag wie der MX blue. BetĂ€tigungskraft: 55 cN
  • MX black: linearer Schalter, löst beim Anschlag wieder einen Klick noch einen Widerstand aus. BetĂ€tigungskraft: 60 cN
  • MX red: wie MX black, nur mit geringerer BetĂ€tigungskraft: 45 cN

DarĂŒber hinaus gibt es noch verschiedene Varianten der MX blue und MX brown mit höherer BetĂ€tigungskraft. Man trifft sie allerdings eher selten an, manche davon sind sogar regelrecht rar.

GrundsĂ€tzlich gilt es beim Kauf einer Tastatur zuerst den Schalter-Typ zu wĂ€hlen. Zum Entwickeln oder Schreiben sind die MX blue definitiv die beste Wahl, da sie ein hör- und spĂŒrbares Feedback bieten und daher nach der Eingewöhnung, sehr schnelles und flĂŒssiges Tippen ohne ErmĂŒdungserscheinungen ermöglichen.

Nun mag natĂŒrlich so manchen das Klicken auf die Palme bringen, andere widerrum können nicht mehr ohne. Wer sich daran stört oder die Kollegen im BĂŒro nicht zum Amoklauf treiben will, aber dennoch spĂŒren möchte, wenn der Anschlag ausgelöst wird, sollte zum MX brown greifen. Er tippt sich ein klein wenig leichter und ist ohne den Klick erheblich leiser.

Findet man dagegen Widerstand zwecklos, sollte man einen Blick auf die MX black oder MX red werfen. Letzterer ist besonders bei Spielern sehr beliebt, da man sehr schnell mehrere AnschlĂ€ge hintereinander auslösen kann, ohne wie ein Bekloppter auf die Tastatur hĂ€mmern zu mĂŒssen. DafĂŒr neigt man u.U. eher zu Vertippern.

GrundsĂ€tzlich kann man die Schalter in drei Kategorien aufteilen: Profi-Tipper ohne Klick-Allergie, die eher wenig bis gar nicht spielen, werden mit MX blue am glĂŒcklichsten. Möchte man dagegen einen guten Allrounder zum Schreiben und Spielen, ist der MX brown das Mittel der Wahl. Wer mehr spielt als Texte tippt, dĂŒrfte mit einem MX black oder MX red am besten klarkommen.

Ich empfehle aber jedem, verschiedene Schaltertypen auszuprobieren. Es gibt genug Spieler, die sich nicht am Klicken des MX blue stören und den MX red hassen wie die Pest – und umgekehrt genauso.

Noch etwas zur LautstÀrke: man kann auch mit einem nicht klickenden Schalter schön Krach machen, wenn man auf der Tastatur rumhackt wie ein Irrer. Dazu hÀngt der GerÀuschpegel auch von der Konstruktion bzw. dem GehÀuse ab. Dazu spÀter etwas mehr (dasKeyboard Model S vs. dasKeyboard 4 vs. Corsair K70).

Was kostet der Spaß und wo bekomme ich so ein Teil her?

Der Preis der gÀngigen Modelle liegt zwischen 60 und 200 Euro.

Die definitiv gĂŒnstigste Wahl gibt’s von Cherry selbst mit dem MX Keyboard 3.0. Zu bekommen bei Amazon oder den gĂ€ngigen Hardware-HĂ€ndlern.

Ansonsten ist die Auswahl an Shops eher eingeschrÀnkt. Die EU und insbesondere Deutschland gehören bei mechanischen Tastaturen eher zur dritten Welt.

Die bisher besten Quellen, die ich neben Amazon ausmachen konnte: GetDigital (dasKeyboard, Ducky, Filco, Leopold), CaseKing (Cherry und Ducky), The Keyboard Company UK (primÀr Filco und deren Zubehör).

Ansonsten stellen diverse bekannte Marken aus dem Spiele-Sektor wie Corsair, Razer, CMstorm, Func und auch Logitech mechanische Tastaturen her, die man auch in gÀngigen LÀden und Shops bekommt.

FĂŒr professionelle Anwender rate ich zu Filco, Ducky oder dasKeyboard, da sie qualitativ etwas mehr bieten. Besonders Ducky und Filco bauen regelrechte Panzer. GrundsĂ€tzlich kann mit den anderen aber nicht viel falsch machen. Man sollte aber inzwischen aufpassen, von welchem Hersteller die Switches sind. Da gibt es leider nicht nur Unterschiede in der Schaltcharakteristik, weil inzwischen wegen abgelaufener Patente auch billigere Kopien der MX-Schalter auf dem Markt sind, zu deren Haltbarkeit es noch keine Erfahrungswerte gibt. Die einschlĂ€gigen Foren sehen die Sache allerdings weniger gelassen …

Meine Erfahrung

Ich hatte mich im November vergangenen Jahres dazu entschlossen eine mechanische Tastatur auszuprobieren und entschied mich fĂŒr eine Corsair K70 mit MX brown und blauer Hintergrundbeleuchtung. Die Tastatur hing nur an meinem Windows-Rechner, an dem ich eher wenig schreibe und mehr spiele.

Abgesehen von der LautstĂ€rke durch die offene Konstruktion ohne einen Rahmen, der die Tasten umgibt, war ich mit der K70 sehr zufrieden. Nach einem Tip im Computerbase-Forum, habe ich Gummi-O-Ringe zwischen die Tasten und Schalter montiert, was die LautstĂ€rke deutlich dĂ€mpfte. Allerdings verĂ€ndern solche Maßnahmen den Anschlag – einfach ausprobieren, die Ringe kann man sehr gĂŒnstig kaufen.

FĂŒr meine Arbeit als Entwickler, die ich ausschließlich am Mac verrichte, habe ich lĂ€ngere Zeit eine geeignete mechanische Tastatur gesucht. Zum Testen entschied ich mich fĂŒr ein dasKeyboard Model S Professional for Mac mit MX blue. Leider gibt es dieses Modell nur mit ANSI-Layout, was mich anfangs vom Kauf abgehalten hat und schließlich auch nicht damit zurecht kam. Der stĂ€ndige Wechsel bringt einen nur durcheinander und das deutsche Tasten-Mapping (ISO-Layout) mit einem ANSI-Layout zu nutzen klappt auch nicht – da fehlt schließlich eine Taste.

Die MX blue dagegen haben mich auf Anhieb begeistert. Kurzum: ich habe die Tastatur gegen ein dasKeyboard 4 mit MX blue umgetauscht. Die hat zwar kein Mac-Layout, aber das lĂ€sst sich durch den Tausch der Tastenkappen und ein paar Einstellungen in OS X problemlos anpassen. Außerdem funktionieren die Media-Tasten und selbst der LautstĂ€rkeregler ohne jegliche Anpassung mit OS X. Wozu da also noch ein spezielles Mac-Modell?

Parallel ließ mich leider die K70 im Stich. Innerhalb eines halben Jahres gingen drei LEDs der Hintergrundbeleuchtung kaputt. Nach einer Recherche in den Corsair-Forn scheint das ein verbreitetes Problem mit den blauen LEDs (gibt auch rote) bei der K70 zu sein. Corsair hat das Modell zwischenzeitlich vom Markt genommen und wird wohl demnĂ€chst eine ĂŒberarbeitete Version liefern.

Amazon nahm die K70 anstandslos zurĂŒck und als Ersatz habe ich mich fĂŒr ein dasKeyboard 4 mit MX brown entschieden und es bisher nicht bereut.

Zum Abrunden des Portfolios der MX-Schalter, habe ich mir noch als Abwechslung zu den beiden dasKeyboard eine Ducky Shine 3 mit MX black gegönnt. Sie wirkt noch einen Tick solider, hat ein abnehmbares Kabel und zig Beleuchtungsoptionen. Der lineare Gang und höhere Widerstand der Switches ist etwas gewöhnungsbedĂŒrftig, aber angenehm, besonders beim Spielen.

Eine weitere Anmerkung zur LautstÀrke: die dasKeyboard 4 haben zwischen ihrer Deckplatte aus Aluminum und der Stahlplatte einen sehr festen Schaumstoff, der die GerÀuschkulisse dÀmpft. Der Unterschied zum VorgÀngermodell oder auch der Corsair K70 ist ziemlich gewaltig. Sogar die MX blue-Version ist leiser als die K70 samt Gummi-O-Ringen. Die Ducky liegt durch ihre sehr stabile Konstruktion auch recht gut im Vergleich. Dazu tragen aber auch die MX black sicherlich ihren Teil bei.

Generell habe ich mit keiner der Tastaturen eine schlechte Tipp-Erfahrung gemacht. Nur das ANSI-Layout und die defekten LEDs haben mich zu einem Umtausch veranlasst.

Fazit

Nach dem ich nun in einem halben Jahr drei Hersteller und drei unteschiedliche Schalter-Typen durch habe, kann ich nur sagen, dass mich mechanische Tastaturen begeistern, wenn sie nicht sogar eine Sammlerwut entfacht haben (ich hoffe nicht, das wÀre ein teures Hobby).

Der Tipp-Komfort und die ZuverlĂ€ssigkeit sind es mir aber wert. Schließlich sind die Tastaturen auch maßgeblich daran beteiligt, dass ich ĂŒberhaupt Geld verdiene. Wenn man die Unterschiede erstmal kennt, möchte man nur ungern zu Rubberdome-Tastaturen zurĂŒckkehren. Selbst mein frĂŒher geliebtes Apple Keyboard lasse ich fĂŒr eine mechanische Tastatur links liegen.

Dazu gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Individualisierunsmöglichkeiten. Seien es nun Tastenkappen, modifizierte Federn in den Schaltern oder gar leicht verrĂŒckte Dinge wie Tastatur-BausĂ€tze, mit denen man wirklich alles bis ins letzte Detail fĂŒr sich anpassen und austĂŒfteln kann. Interessenten zu diesen Themen sowie Kaufberatung etc. kann ich das Forum geekhack ans Herz legen.